Wer war Andrea Kuhl? 

- Impressionen einer Freundin -

 

 

Andrea war und ist meine Freundin. Andrea begegnete mir in dem Rosa, das Rilke in seinem Hortensiengedicht beschrieben hatte (siehe unten). Andrea hatte einen Sinn für alles Wahre, Schöne und Gute. 

Andrea konnte einen Regentag verzaubern, indem sie die Regentropfen als Bestandteil des Zaubers verstand.

 

Andrea konnte eine tiefe Freude empfinden, z. B. in unserem Nähkurs, als sie eine fast kindliche Freude über schöne Stoffe und Schnitte zeigen konnte. Sie versuchte uns alle zu motivieren, eine Reise nach Paris zu machen, wo die Kursleiterin vorher als Modedesignerin gearbeitet hatte. Auch hier zeigte sie mehr Mut und Kraft als alle anderen, obwohl sie wusste, dass sie nur noch wenige Monate zu leben hatte. 

 

Andrea hatte ein Gespür für Menschen, deren Kern im Verborgenen lag. Sie ließ sich dabei nicht von dem äußeren Erscheinungsbild leiten, sondern schaute „hinter die Kulissen“. 

Andrea beeindruckte durch eine beispielhafte Präsenz und Geduld, wenn es darum ging aufzuspüren, wie jemand „gemeint ist“, auch wenn es Hindernisse und Sackgassen zu überwinden galt.

 

Ihr Traum von einem Café, in dem sie Menschen einen Raum für Begegnungen schaffen wollte, ging leider nicht mehr in Erfüllung, da sie sehr schwer krank wurde. 

 

„Ich weiß wer ich bin“, sagte sie in ihren letzten Stunden zu ihrem Mann. Und dieser Satz hat ihr unter anderem wohl auch die Kraft gegeben, trotz schlimmer Schmerzen sie selbst zu bleiben. 

 

Wenn ich zu ihr ins Krankenzimmer trat, fühlte ich ihre Freude über den Besuch, ihre ganze Zugewandtheit gegenüber meiner Person. 

 

Dazu möchte ich einen Ausspruch von Anselm Grün zitieren:

 

  • "Der wohlwollende Blick des anderen verwandelt uns. Wenn uns die Liebe begegnet, gehen wir gestärkt daraus hervor. Ein anderer Mensch kann etwas aus uns herauslieben, was vorher in uns geschlummert hat."

 

So ist es auch mir ergangen, als ich sehr traurig an Andreas Krankenbett saß. Ich wusste keinen Trost und fühlte mich hilflos. Durch Andrea wuchsen mir Kräfte und Fähigkeiten zu, die ich in mir nie vermutet hätte. So fand ein tiefer Austausch zwischen uns in den schwersten Stunden statt (z. B. nur durch Berühren ihrer Füße)

 

Leider wurde unser gemeinsamer Weg durch den Tod von Andrea beendet. 

 

Ich bin daher so dankbar für die Gründung der AK-Stiftung und möchte mich mit aller Kraft für die Projekte, die in Andreas Sinne stattfinden, einsetzen. 

 

Rosa Hortensie 

(Ein Rilke Gedicht als kleines Denk-mal, das zum Fühl-mal wird)

 

Andrea Kuhl liebte die Farbe Rosa. Wenn sie Rosa trug, spürte man, dass sie eins war mit diesem Rosa. Das folgende Gedicht drückt diese meine Empfindungen aus (Anke Bavendam-Kreib). 

 

Rosa Hortensie

Wer nahm sich das Rosa an? 

Wer wartet auch, dass es sich sammelt in diesen Dolden? 

Wie Dinge unter Gold, die sich entgolden, 

entröten sie sich sanft, wie im Gebrauch. 

Dass sie für solches Rosa nichts verlangen. 

Bleibt es für sie und lächelt aus der Luft? 

Sind Engel da, es zärtlich zu empfangen, 

wenn es vergeht, großmütig wie ein Duft? 

Oder vielleicht auch geben sie es preis, 

damit es nie erführe vom Verblühen. 

Doch unter diesem Rosa hat ein Grün 

Gehorcht, das jetzt verwelkt und alles weiß. 


Rainer Maria Rilke